FEUCHTESANIERUNG MIT REIN MINERALISCHEM DÄMMPUTZ IM FACHWERK

Wasser in seinen vielfältigen Formen, von fest über flüssig bis gasförmig, ist Grundlage für jegliches Leben und treibende Kraft in der Gestaltung der Erde. Jedoch besitzt Wasser mit diesen einzigartigen Eigenschaften auch die Kraft von uns geschaffene Bausubstanzen und Werte in ihrer Funktion zu beeinträchtigen, schädigen, oder gar zu zerstören.

Bei Fachwerkhäusern, in denen sehr viel organisches Material verbaut wurde, ist es von essentieller Bedeutung, die Bausubstanz nachhaltig trocken zu halten. Dabei darf es keine Rolle spielen, in welcher Form das Wasser auftritt, oder welchen Ursprung dieses hat. Denn Feuchtigkeit kann durch verschiedenste Wege in die Bausubstanz gelangen. So wirken u. a. der Standort und die Nutzungsänderungen von Gebäuden im Bestand auf die Entstehung von Wasser ein. Durch die vorhandene Feuchte kann es, neben Einbußen im Wohlfühlklima, zu verschiedenen bauphysikalischen Schäden kommen.

Die Leistungsfähigkeit und Einsatzmöglichkeiten unseren rein mineralischen Dämmputz mit Perlit als Leichtzuschlag soll an einem Bauvorhaben mit sehr hohem Lastfall demonstriert werden. Die Ortschaft des Bauvorhabens befindet sich im Übergang von Beanspruchungszone 2 zur Beanspruchungszone 3 und ist bis auf die Nordrichtung vollständig von Wald umgeben, was zu hoher atmosphärischer Luftfeuchtigkeit führt. Das Objekt an sich, ein im Ort gelegener Bauernhof, befindet sich in Hanglage und ist nicht unterkellert. An der höher gelegenen Seite führt eine Straße entlang. An der tiefer gelegenen Seite fließt in 60 Meter Entfernung ein Bach. Die Fläche zwischen ehem. Scheune und Bach dient als Überschwemmungsbereich und wird als Futterwiese genutzt.

Neben diesen umweltbedingten Einflüssen spielt die Nutzungsänderung an diesem Objekt eine entscheidende Rolle. Die ehem. Scheune hat im erdgeschossigen Bereich eine stark unebene Natursteinmauer, auf der ein Fachwerk mit inzwischen beschädigten Lehmziegeln aufgesetzt ist. Diese Scheune soll nach der Sanierung als Gästehaus genutzt werden. Das höher gelegene Bauernhaus beherbergte im Erdgeschoss hälftig einen Stall. Dieses wird vollständig zu einem Wohnhaus umgenutzt.

Um den geplanten Nutzungsänderungen und der hohen Lastfall in Form von hoher atmosphärischer Luftfeuchtigkeit und Bodenfeuchtigkeit mit zeitlich stark drückendem Wasser gerecht zu werden, wurden folgende Maßnahmen durchgeführt. Im ersten Schritt wurden beide Häuser mit dem Mauersägeverfahren vor aufsteigendem und drückendem Wasser geschützt. Der zweiten Maßnahme, dem Anbringen des rein mineralischen Dämmputzes mit Perlit als Leichtzuschlag, kam aufgrund der hohen Ansprüche vor Ort, eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der enorm hohen kapillaren Struktur des verwendeten Perlits als Leichtzuschlag, ist dieser Dämmputz besonders geeignet mit Feuchtigkeit und der damit verbundenen Salzbelastung umzugehen. Das Wasser kann aus den Milliarden von Kapillaren bei ungesättigten Luftverhältnissen verdampfen und das gelöste Salz bleibt in den Kapillaren zurück. Diese Eigenschaft behält dieser Dämmputz im Vergleich zu klassischen Sanierputzen überdurchschnittlich lange, da ausreichend Kapillare vorhanden sind, in denen gelöste Salze gehalten werden können.

Zusätzlich zu den feuchteregulierenden Besonderheiten kamen dem in diesem Bauvorhaben verwendeten Material noch seine konstruktiven Eigenschaften zur Geltung. Da die Natursteinmauer im Innenbereich starke Unebenheiten aufweist, wurde der Dämmputz auch zum Ausgleichen dieser Unebenheiten eingesetzt. So kann auf ein Begradigen der Unebenheiten im Vergleich zu anderen Systemen verzichtet werden. Durch das direkte Anbringen auf den Naturstein wird ein mineralisch monolithischer Verbund eingegangen, der es ermöglicht, das Wasser schnell von der zu schützenden Bausubstanz abzuführen, da in solch einem Aufbau keine Trennschicht besteht, welche das Wasser „absperrt“. Auch die Hohlräume der beschädigten Gefache wurden mit dem Dämmputz vollständig ausgefüllt. Durch das vollständige Ausfüllen der Hohlräume, kann am Fachwerk entstehendes direkt abgeführt werden, ohne dass das Holz seine Atmungs- und Bewegungsfreiheit verliert.

Zu den bauphysikalischen und konstruktiven Eigenschaften kommt die baubiologische Eigenschaft der Alkalität in jedem Fall zum Tragen. Aufgrund von Kalk als Bindemittel und dem Anbringen eines Kalkoberputzes aus gestalterischen Gründen, besteht ein Umfeld, in welchem kein Nährboden für etwaige Mikroorganismen geboten wird.

Neben der nach geltenden Regelwerken ausgeführten nachträglichen Bauwerksabdichtung wurde der rein mineralische Dämmputz mit Perlit als Leichtzuschlag an diesen durch Feuchtigkeit besonders beanspruchten Bestandsgebäuden eingesetzt. Diese Kombination erzeugt eine Funktionalität im Umgang mit Feuchtigkeit, die den Ansprüchen vor Ort ausreichend Rechnung trägt. Zusätzlich erlangt das Bauvorhaben aufgrund der aufgebrachten Putzschichtstärke den Mindestwärmeschutz und erfüllt die Anforderungen an den Brandschutz durch den Einsatz unseren rein mineralischen Dämmputz.

 

 

 

 

Fußnote

Es gibt nach Schätzungen von Manfred Gerner rund 1,8 Mio. Fachwerkhäuser in Deutschland (von 1981 bis 2000 war Gerner Leiter des Deutschen Zentrums für Handwerk und Denkmalpflege – Propstei Johannesberg (ZHD) in Fulda).

 

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